Selbständig im Nebenerwerb in der Schweiz: Vorteile, Nachteile, Tipps

Eine Selbständigkeit im Nebenberuf ist für angehende Selbständigerwerbende eine gute Möglichkeit, um mit einem geringeren Risiko eine eigene Existenz aufzubauen. Dabei geht es darum, neben einem Vollzeit- oder Teilzeitjob die eigene Selbständigkeit schrittweise aufzubauen. Berufstätige, welche nebenberuflich selbständig werden machen dies aus verschiedenen Gründen. Viele träumen davon, die Selbständigkeit später vollzeitlich auszuüben. Andere sehen darin eher eine Art Nebenbeschäftigung und halten die Selbständigkeit auf einem Teilzeitniveau.

Selbständig im Nebenerwerb - Vorteile:

  • Risikominimierung beim Aufbau der eigenen Selbständigkeit
  • Möglichkeit, die eigene Geschäftsidee zu testen
  • Existenzsicherung durch das Einkommen aus dem Angestelltenverhältnis
  • Nebenberufliche Selbstverwirklichung
  • Zusätzlicher Verdienst, je nach Geschäftsgang und Reduktion der beruflichen Haupttätigkeit

Selbständig im Nebenerwerb - Nachteile:

  • Doppelbelastung durch den Job und die nebenberufliche Selbständigkeit
  • Tieferes Einkommen bei einer Reduktion des Arbeitspensums beim Arbeitgeber
  • Es braucht im Vergleich zur vollzeitlichen Selbständigkeit in der Regel länger, bis die nebenberufliche Selbständigkeit die eigene Existenz sichern kann
  • Physische und psychische Belastung je nach Art der nebenberuflichen Tätigkeit
  • Geschäftliches Risiko

1. Selbständig im Nebenerwerb: Rechtliche Aspekte in der Schweiz

Grundsätzlich können Mitarbeitende in der Schweiz eine nebenberufliche Tätigkeit auf selbständiger Basis ausüben, sofern für den Arbeitgeber keine Konkurrenzsituation oder ein Interessenskonflikt besteht (Treuepflicht). Zudem sollte der Nebenerwerb die Leistungsfähigkeit des Mitarbeitenden nicht negativ beeinflussen. Es sollte eine Ruhezeit von elf Stunden eingehalten werden.

2. Beziehung und Familie

Eine nebenberufliche Tätigkeit kann eine Beziehung oder Familie stark belasten. Deshalb ist es wichtig, dass dieser Schritt mit einem Lebenspartner bzw. einer Lebenspartnerin oder der Familie abgesprochen wird.

3. Geschäftsidee

Bei der Geschäftsidee ist darauf zu achten, dass diese neben der beruflichen Haupttätigkeit überhaupt ausgeübt werden kann. Ein Handwerker, welcher seine nebenberufliche Tätigkeit nur am Abend oder am Wochenende ausüben kann, hat unter Umständen Mühe, entsprechende Aufträge zu erhalten. Bei einer Treuhänderin spielt dies weniger eine Rolle, weil sie diese Arbeiten zeitlich unabhängiger von Zuhause aus erledigen kann. Ansonsten sind die üblichen Kriterien bei der Beurteilung einer Geschäftsidee zu beachten:

  • Lukrativer Markt mit steigendem Wachstum
  • Positive Unterscheidung von Wettbewerbern
  • Entspricht den eignen Stärken
  • Finanziell und rechtlich realisierbar

4. Marketing bei einer Selbständigkeit im Nebenerwerb

Die strategischen Marketingüberlegungen bleiben auch bei einer nebenberuflichen Selbständigkeit die gleichen wie bei einer vollzeitlichen Selbständigkeit. Allerdings ist das Marketingbudget bei Personen, welche nebenberuflich selbständig werden, in der Regel tiefer als bei einer vollzeitlichen Selbständigkeit. Dies schränkt die Marketing-Instrumente deutlich ein. Häufig beschränkt sich das Marketing auf die folgenden Instrumente:

  • Website
  • Google MyBusiness: Lokaler Auftritt bei Google (Local Box)
  • Suchmaschinenoptimierung
  • Telefonischer und persönlicher Verkauf
  • Empfehlungsmarketing (Mund-zu-Mund-Werbung)
  • Kooperationen
  • Social Media Marketing
  • Fahrzeugbeschriftung und je nach Art des Unternehmens standortbezogene Marketing-Massnahmen wie Tafeln, Displays, Werbebanner, Firmenbeschriftung, Schaufenster etc.

5. Die Unternehmensfinanzierung

Jedes Unternehmen - egal wie gross oder klein es ist - braucht Kapital. Wie hoch dieser Kapitalbedarf ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dabei gibt es keinen markanten Unterschied, wenn man sich „nur“ nebenberuflich selbständig macht.

Grundsätzlich muss zwischen den Gründungskosten und der Finanzierung des Unternehmens unterschieden werden.

Die Gründungskosten sollen wenn immer möglich durch Eigenmittel finanziert werden. Dazu gehören auch

  • die Startinvestitionen wie Arbeitshilfsmittel, Einrichtung, Fahrzeug etc.
  • die Anlaufkosten wie Marketing, Arbeitsmaterial, Gebühren etc.

Wenn noch eine gewisse Reserve (Liquidität) vorhanden ist, umso besser!

Bei der Finanzierung muss darauf geachtet werden, dass laufende Kosten gedeckt werden können! Sie ist eine langfristige Planung, in welche sowohl laufende Unkosten also auch die effektiven Gestehungskosten (Selbstkosten) eingerechnet werden müssen.

Bei der Neugründung eines Unternehmens darf im Rahmen der Finanzierung also keinesfalls die erste Durststrecke vergessen werden. Dies ist die Zeit, in welcher das Unternehmen zwar bereits aktiv ist, jedoch noch keine oder nur geringe Einnahmen hat. Diese Zeit ist je nach Art des Unternehmens unterschiedlich, kann aber ohne weiteres bis zu zwölf und mehr Monaten betragen - dazu gehört auch der eigene Lebensunterhalt.

Bei der nebenberuflichen Selbständigkeit kann diese Zeit zwar durch den Haupterwerb im Anstellungsverhältnis (mit-)finanziert werden. Dies bedeutet jedoch, dass normalerweise ein Teil dieses Einkommens nicht mehr für private Aufwendungen zur Verfügung steht. Daher empfiehlt es sich sehr, nebst dem Unternehmensbudget auch ein privates Budget zu erstellen.

6. Die Unternehmensorganisation

Die Organisation innerhalb eines Unternehmens ist das Instrument, welches das Zusammenspiel von Führung, Aufgabe und Verantwortung regelt. Sie bildet die Basis eines reibungslosen Arbeitsablaufes rund um das eigentliche Hauptgeschäft. Eine mangelhafte oder gar fehlende Betriebsorganisation wird den Erfolg eines Unternehmens massiv negativ beeinflussen. Die gute Organisation wirkt sich positiv auf Kosten, Flexibilität, Arbeitsabläufe und damit innere Ruhe sowie auch auf einen optimalen Kundenservice aus.

Die Aufbauorganisation legt die Struktur im Unternehmen fest und ist das eigentliche Gerüst oder der Rohbau. Sie lässt eine hohe Transparenz zu und muss deshalb sehr sorgfältig aufgezeichnet werden. Das Ziel ist, einen detaillierten Gesamtüberblick über alle im gesamten Unternehmen anfallenden Aktivitäten zu erhalten.

Die Organisation unterscheidet sich bei der nebenberuflichen Selbständigkeit in keinerlei Hinsicht von einer Selbständigkeit als Haupttätigkeit – im Gegenteil. Da zwangsläufig weniger Zeit zur Verfügung steht müssen die internen Abläufe möglichst optimal gestaltet sein, ansonsten wird Energie unnütz verschwendet.

Die meisten Personen, insbesondere solche, welche ein Kleinstunternehmen gründen, haben ihre Kernkompetenz im Angebot, welches sie dem Markt anbieten wollen. Wer schon vor der Gründung die wesentlichsten Bestandteile

  1. wer =Funktionsbezeichnungen
  2. macht was = Tätigkeiten, Aufgaben
  3. womit = Arbeitshilfsmittel, Kompetenzen
  4. mit welchen Informationen

detailliert aufzeichnet, stellt schnell fest, welche Kompetenzen fehlen, das ist ganz normal. Dies ist die Gelegenheit, sich fachkundige Unterstützung zu holen. Wer sich zuerst nebenberuflich selbständig macht, kann hier oftmals das bestehende Netzwerk aus dem Anstellungsverhältnis nutzen.

Grundsatz: Sorgfältige Planung ist besser als späteres Chaos!

7. Versicherungen und Vorsorge bei einer selbständigen Tätigkeit im Nebenberuf in der Schweiz

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, kommt nicht darum herum, sich mit dem Thema Versicherungen und Vorsorge auseinanderzusetzen. Hierbei ist anzumerken, dass einige dieser Versicherungen obligatorischer Natur sind, während andere freiwillig sind.

Auch wenn das Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit bereits bei der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) versichert ist, muss ein Unternehmer die Selbstständigkeit als Nebenerwerb ebenfalls anmelden. Falls die erzielten Einkünfte einen Schwellenwert von CHF 2'300.- pro Jahr nicht überschreiten, werden Beiträge nur erhoben, sofern der Selbstständige dies verlangt.

Bezüglich der ärztlichen Behandlung muss sich der Selbständige jedoch weiterhin keine weiteren Gedanken machen, da der Krankheitsfall weiterhin über die Grundversicherung bei der Krankenkasse bzw. der Unfall über die Unfallversicherung des Arbeitgebers abgedeckt ist.

Viel wichtiger ist hingegen die Invaliden-, Todesfall- und Taggeldversicherung sowie die Altersvorsorge. Im Falle eines längeren krankheits- oder unfallbedingten Ausfalles oder einer eintretenden Invalidität sind beispielsweise bei einer 50%igen Nebentätigkeit auch nur 50% des Lohnes versichert – gleiches gilt für die Altersvorsorge. Die Frage, ob eine zusätzliche Absicherung diesbezüglich notwendig ist, kann also nicht pauschal beantwortet werden, sondern hängt stark von persönlichen und finanziellen Verhältnissen ab.

8. Die Rechtsform des Unternehmens, steuerliche Aspekte, Mehrwertsteuer

In der Regel starten Personen, welche nebenberuflich selbständig werden, mit einer Einzelfirma. Eine Einzelfirma kann einfach und günstig gegründet werden.

Bei Geschäftsideen mit einem hohen Risiko kann eine GmbH gegründet werden, mit welcher das finanzielle Risiko begrenzt werden kann.

Mitarbeitende, welche sich neben ihrer Haupttätigkeit nebenberuflich selbständig machen, müssen auch diese Einkünfte versteuern. Um die privaten und geschäftlichen Einnahmen und Ausgaben klar zu trennen ist es bei einer nebenberuflichen Selbständigkeit mit einer Einzelfirma ratsam, ein separates Bankkonto für das Unternehmen zu eröffnen, für eine GmbH ist dies Pflicht.

Bei einem jährlichen Umsatz für steuerbare Leistungen von weniger als Fr. 100‘000.- pro Jahr sind die Unternehmen in der Schweiz von der Mehrwertsteuer befreit. Sie können sich aber freiwillig der MWST unterstellen, was teilweise Sinn macht, um beispielsweise bei hohen Aufwänden in der Startphase und tiefen steuerbaren Umsätzen die bezahlten Vorsteuern von der Eidgenössischen Steuerverwaltung zurück zu erhalten.